Stromversorgung stand aufgrund von Zockern vor dem Zusammenbruch

Das deutsche Stromnetz stand laut der „Berliner Zeitung“ an kalten Wintertagen aufgrund von Zockern kurz vor dem Zusammenbruch.

Die Bundesnetzagentur kritisierte in einem der Berliner Zeitung zugespielten Brandbrief, daß es seit dem 6. Februar an verschiedenen Tageszeiten „erhebliche, über mehrere Stunde andauernde Unterdeckungen verzeichnet“ wurden. Gefährliche Defizite gab es vor allem im Zeitraum von 6. bis 9. Februar jeweils über mehrere Stunden.

Kritisiert wurde vor allem, daß im Störfall keine Absicherung mehr verfügbar war, d.h. bei einem Ausfall von Kraftwerken hätte es aufgrund fehlender Reserven einen Blackout gegeben.

Händler geben zu geringe Lastprognosen ab

Es besteht der Verdacht, daß die Händler, die derzeit enorme Mengen von Strom zukaufen, aufgrund des hohen Bedarfs (auch durch Frankreich) ihre Lastprognosen zur Profitmaximierung kleinrechneten, um Geld zu sparen. Man spricht hier davon, daß es zeitweise eine Differenz von mehreren tausend Megawatt zwischen der Lastprognose und dem tatsächlichen Verbrauch gab.

Die Händler schätzen dabei anhand von Erfahrungswerten ihren Bedarf ab. Benötigen Sie jedoch insgesamt mehr Strom als im Netz verfügbar ist, muß der Reserve-Strom teuer zugekauft werden. Bei einem Stromzukauf von weiteren Reserven kostet der Strom an der Börse jedoch aufgrund der enormen Nachfrage zur Zeit z.T. über 350 Euro je Megawatt. Dies liegt über dem siebenfachen der durchschnittlichen Großhandelspreise.

Da die hohe Nachfrage die Prognose vielfach übertraf, mußte bei der Unterdeckung die sogenannte Kaltreserve – bestehend aus Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke in Deutschland und Österreich – angezapft werden. Diese allerletzte Energiereserve kostet allerdings nur 100 Euro je Megawatt.

Bundesnetzagentur untersucht und droht mit scharfen Konsequenzen

Die Bundesnetzagentur sieht dabei vor allem die obersten Stromhändler (sogenannten Bilanzkreisverantwortlichen) verantwortlich, die eine zu geringe Lastprognose abgaben und dabei fast die gesamte verfügbare Regelenergie verbrauchten. Laut einer Sprecherin des Netzbetreibers Tennet wurde „alles an Regelenergie reingeschossen, was wir hatten“. Diese Energie / Kaltreserve sollte eigentlich dazu dienen in Notfällen (z.B. plötzlichen Kraftwerksausfall) die notwendige Energie zu garantieren und einen Gesamtblackout zu verhindern.

Die Bundesnetzagentur sprach von einer sehr ernsten Situation und drohte den Händlern mit scharfen Konsequenzen. Im Gespräch ist nun eine sehr starke Verteuerung der Regelenergie, so das hier kein Vorteil mehr besteht, diese in Anspruch zu nehmen.

Die Untersuchungen über diesen Vorfall können sich jedoch noch bis zu 2 Monate hinziehen, da erst dann deutlich wird bei wem der insgesamt rund 1000 Stromhändler die Lücke zwischen Prognose und tatsächlicher Nachfrage am größten war.

 

Quellen:

Händler manipulieren den Strommarkt, in: berliner-zeitung.de, 16.2.2012

Netzagentur macht Zocker für Fast-Blackout verantwortlich, in: manager-magazin.de, 16.2.2012

Stromnetz drohte Zusammenbruch, in: web.de, 16.2.2012

Zocker riskieren Blackout in Deutschland, in: welt.de, 16.2.2012