drohender Engpass bei der Stromversorgung: Krisenstab wurde eingerichtet

Aufgeschreckt durch die Reduzierung der Gaslieferungen von Russland, wurde letzte Woche ein Krisenstab eingerichtet. Derzeit kommen rund 25 bis 30 % weniger Gas am bayerischen Übergabepunkt Waidhaus an. (1) Dabei wird aktuell rund 40 % des Gasbedarfs durch Russland geliefert.

Aufgrund der Sonne und den windigen Wintertagen hat zwar Deutschland tagsüber genügend Strom und kann sogar Frankreich aushelfen. Sobald es dunkel wird und eine Windflaute herrscht, stellt sich die Situation jedoch ganz anders dar.

Am Dienstag, den 7.2.2012, gab es vom Bundeswirtschaftsministerium zusammen mit den relevanten Gas- und Strombetreiber sowie die Bundesnetzagentur laut welt.de eine Telefonkonferenz zur Energieversorgung, die besorgniserregend ausfiel. (2)

Vor allem die Reduzierung der Gaslieferung für die Gaskraftwerke verschlechtert die aktuelle Lage, so dass mittlerweile 4 Gaskraftwerke in Süddeutschland abgeschaltet werden mußten und ein hocheffizientes Gaskraftwerk die Produktion um 1/3 reduzierte. (2) Zusätzlich melden einzelne Stadtwerke an einzelnen Tagen in der letzten Woche einen im Vergleich zur Vorwoche kältebedingten bis zu 20 % höheren Gasverbrauch. (3)

  • In der letzten Woche informierten daher einzelne Stadtwerke (z.B. die Stadtwerke Schramberg) ihre Kunden schon über die Engpässe bei der Gasversorgung und empfahlen den Kunden die Temperatur etwas abzusenken und nach kurzfristigen Einsparmaßnahmen zu suchen. (4)
  • Die Gasversorgung Süddeutschland Netz (GVS) bat ihre Großkunden schriftlich Gas einzusparen. Dies kann auch – wo vertraglich möglich – ein Stopp bzw. eine Verringerung der Lieferung bedeuten. (5)
  • Zu den ergriffenen Maßnahmen gehört auch, dass mancherorts die Wärmeversorgung von Gas auf Öl in Schulen bzw. Hallenbäder umgestellt wurde (6) bzw. Motoren in Heizkraftwerken nun mit Öl bzw. Holzhackschnitzel statt mit Gas betrieben werden. (7)
  • In der letzten Woche war zudem die sogenannte Kaltreserve (alte Öl- und Gaskraftwerke aus Österreich und Deutschland) in Betrieb. Darüberhinaus mußte zusätzlich noch stundenweise Strom aus dem Ausland teuer zugekauft werden. (2)

Die Situation wird als so prekär eingeschätzt, daß es derzeit täglich eine Telefonkonferenz über die aktuelle Lage gibt und die Stromnetzbetreiber ihre Einschätzung bzgl. der Blackout-Gefahr untereinander austauschen.(2)

 

Quellen:

(1) In Süddeutschland wird das Erdgas knapp, in: gas-magazin.de, 10.2.2012

(2) Engpässe: Bund richtet Krisenstab für Notversorgung ein, in: welt.de, 12.2.2012

(3) Erdgasversorgung in Baden-Baden, in: stadtwerke-baden-baden.de, 9.2.2012

(4) Kälteeinbruch: Gasversorgung an der Kapazitätsgrenze, in: stadtwerke-schramberg.de, 6.2.2012

(5) Baden-Württemberg leidet unter einer gefährdeten Gasversorgung, in: energieversogung.de, 8.2.2012

(6) Öl statt Gas für Hallenbad und THG, in: muehlacker.de, 10.2.2012

(7) Holz und Öl müssen Wärmebedarf decken, in: goettinger-tageblatt.de, 8.2.2012