aktueller Strom-Engpass in Süddeutschland: Netzbetreiber kämpfen gegen den Blackout

Trotz Eiseskälte gibt es in Deutschland bisher eine stabile Stromversorgung. Bis Anfang der Woche war die Lage der Netze zwar angespannt, jedoch nicht kritisch. In den letzten Tagen konnte man sogar Frankreich mit Strom versorgen. Positiv wirken sich hier die vielen Photovoltaik-Anlagen sowie die Windenergie im Süden aus.

Zu Problemen könnte es lt. einem RWE -Sprecher kommen, wenn es über einen längeren Zeitraum noch kälter wird und die Tagestemperaturen in den zweistelligen Minusbereich fallen. Laut der Bundesnetzagentur  könnte die Stromversorgung an Tagen ohne Sonnenschein und Wind problematisch werden. (1)

Seit dem 8.2.2012 beugen die Netzbetreiber einem drohenden Blackout vor und nehmen in Deutschland vier eigentlich stillgelegte unrentable Kraftwerke ans Netz. Die vier alten Kraftwerksblöcke in Rhein-Main-Neckar-Gebiet haben eine Leistung von etwas 1000 Megawatt.

Die Inbetriebnahme der Notreserve ist eine Blackout-Vorbeugemaßnahme, da die Netzsituation vor allem in Süddeutschland angespannt ist und sich in den letzten Tagen verschärft hat (2):

  • Der Stromverbrauch stieg aufgrund der Kälte deutlich an.
  • Die Reduzierung der Gasmenge in Höhe von bis zu 30 % durch Gazprom führte dazu, daß einige Gaskraftwerke im Süden ihre Leistung reduzieren mußten. Zudem haben einige Gaskraftwerke Verträge, die auch eine nachrangige Lieferung ermöglichen, so dass die Privathausahlte bzw. Unternehmen vorrangig das Gas erhalten. Es gab zwar genügend Gas in den Gasspeichern. Dieses Gas wird jedoch im Norden gespeichert und benötigt mehrere Tage bis in den Süden gelangt.
  • Zusätzlich wurde auch in den Abendstunden weniger Windenergie produziert.

Als weitere Stromreserve steht noch ein altes Ölkraftwerk bei Graz in Österreich zu Verfügung, welches im Dezember schon mal in Anspruch genommen wurde.

Betrachtet man unsere Nachbarn, so sind deren Stromnetze jedoch auch sehr angespannt und von einem Blackout bedroht:

  • Frankreich fällt als Exporteur aus, da es selber Strom benötigt, der z.T. aus Deutschland und Großbritannien bezogen wurde. Angespannt ist hier vor allem die Lage, wenn abends die Elektroheizungen angeschaltet werden, um die ausgekühlten Wohnungen aufzuheizen.
    • Hier wurde am 6.2. aufgrund der sehr angespannten Lage sogar in der Region Provence-Alpes-Côtes-d´Azur (PACA) die Warnstufe rot verhängt und die Bevölkerung gebeten zwischen 18 bis 20 Uhr besonders sparsam mit Strom umzugehen, da hier ein Blackout befürchtet wurde. (3)
    • In 43 Departments ist die Lage prekär. Hier gilt die zweithöchste Warnstufe orange. (3)
    • Verbraucher werden schon über SMS informiert wann die Lage besonders kritisch ist und Strom gespart werden muß. Ebenso achtet die Polizei darauf, dass in den besonders kritischen Gebieten bspw. die Außenreklame der Geschäfte abgeschaltet wird.
    • Der Strompreis lag an der Pariser Börse dabei z.T. auf dem 3fachen Wert von Deutschland. (4)
  • In der Schweiz wird auch vor einem Blackout gewarnt. Hier ist die Wahrscheinlichkeit für einen Stromausfall deutlich gestiegen, da das Stromnetz 2 Monate im Jahr überlastet ist. Laut dem Swissgrid-Chef Pierre-Alain Graf darf jetzt nichts zusätzliches passieren, keine technische Pannen und kein Eisregen, der die Leitungen reissen lässt. Vor wenigen Tagen hat es einen Moment gegeben, wo den Experten nur 20 Minuten für eine Stabilisierung des Stromnetzes blieben. (5)
  • In Österreich laufen die Kraftwerke seit Tagen auf Hochbetrieb. Das Reserve-Ölkraftwerk für Deutschland wird am 10.2. in Betrieb genommen. Im österreichischen Netz wurde eine noch nie dagewesene Lastspitze von mehr als 10.000 Megawatt erreicht. (4)

Quelle:

(1) Trotz Eiseskälte exportiert Deutschland Strom, in: Focus.de, 6.2.21012

(2) Stomnetzbetreiber kämpfen gegen Blackout, in: Handelsblatt.com, 8.2.2012

(3) Rekord-Stromverbrauch könnte heute Abend für Blackout im Süden Frankreichs sorgen, in: rczeitung.com, 6.2.2012

(4) Sibirische Kälte setzt Europas Stromversorger unter Spannung, in: derstandard.at, 9.2.2012

(5) Schweiz doht Stromausfall, in: nzz.ch, 6.2.2012

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